Nachhaltiges Leben mit Kind

Ein Einblick in Julias Familienalltag mit Tipps & Tricks zum Müllvermeiden

Hi, mein Name ist Julia, ich bin 31 Jahre alt und seit über einem Jahr Mama eines kleinen Sohnes. Ich lebe seit circa 9 Jahren mit meinem Freund und unserem Hund im schönen Leipzig. Seit einiger Zeit versuchen wir gemeinsam mehr auf unseren ökologischen Fußabdruck zu achten. Mit der Geburt unseres Kindes kamen viele neue Fragen auf uns zu, u.a. auch wie wir im Alltag mit unserem Baby unnötigen Müll vermeiden und unser Leben nachhaltig gestalten können.  

Dies ist einfacher als man es sich vielleicht vorstellt. Nachhaltig zu leben bedeutet nicht unmittelbar, dass man sofort perfekt in jedem Lebensbereich handelt. Es geht vielmehr darum in einigen Punkten langfristig umzudenken und vor allem einfach die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen und Dinge auszuprobieren. Und ein neues Familienmitglied ist der beste Anlass dafür seine alteingesessenen Verhaltensmuster zu hinterfrage und durchbrechen 🙂

Beginnen wir mit einem elementaren Thema mit einem Baby/Kleinkind: das Windeln. Mit diesem Thema habe ich mich bereits vor der Geburt beschäftigt und als dann unser Sohn auf die Welt kam, haben wir vieles ausprobiert. Wir stellten fest, dass jedes Baby unterschiedlich ist und jede Familie für sich selbst austesten sollte, was zu einem am besten passt. Es gibt viele Anbieter, die Stoffwindeln als Alternative zu Wegwerfwindeln anbieten. Wer jedoch nicht mit Stoffwindeln zurechtkommt, kann beim Kauf der Wegwerfwindeln darauf achten, dass diese aus recycelten Materialen bestehen, so wenig Giftstoffe wie möglich besitzen und optimalerweise kompostierbar sind. Müll sparen kann man außerdem auch bei vielen Pflegeprodukten.

Man nehme zum Beispiel kleine Baumwollläppchen (aus einem alten Handtuch), eine Schüssel mit warmen Wasser und reinigt so den Windelpo. Auch der Einsatz von Kokosöl, Rapsöl oder Mandelöl hilft bei der Intimpflege sehr gut und erspart es einem Feuchttücher oder andere Produkte mit Erdölanteilen zu verwenden. Die benutzten Läppchen werden in einem sogenannten Wetbag aufbewahrt, gesammelt und gegebenenfalls mit den Stoffwindeln gewaschen. Wenn unser Kind älter ist, wollen wir schauen, ob wir ihn an eine Podusche gewöhnen können. Die ist viel sanfter für die Säuberung und spart obendrein eine Menge Toilettenpapier.  

Weiterhin sind anstatt Einwegplastik-Wickelunterlagen normale Moltontücher zu empfehlen, die ebenso regelmäßig in der Wäsche landen. Statt Stilleinlagen aus Plastik und Papier gibt es viele angenehm zu tragende aus Baumwolle, welche oftmals noch ein hübsches Muster haben. Ob eine Kinderzahnbürste aus Bambus, Mandelöl für die Hautpflege, Seifenstück für die Haar- und Körperreinigung, Zahnpasta und Sonnencreme von Naturkosmetika, Gallseife gegen lästige Flecken, es gibt viele einfache Alternativen um den Alltag im Kinderbadezimmer nachhaltiger zu gestalten.  

Faire nachhaltig hergestellte Kinderkleidung gibt es bei vielen lokalen Geschäften, die man unterstützen kann oder aber eben im Internet. Kinder wachsen so schnell und die Kleidung muss deswegen ständig in neuen Größen besorgt werden. Daher ist es von Vorteil für den Geldbeutel und auch besonders ressourcenschonend, im Freundes- und Bekanntenkreis nach aussortierter Secondhandkleidung zu fragen. Diese kann man dann nach Gebrauch zurück- bzw. weitergeben. Oftmals findet man bei Plattformen wie Mamikreisel oder eBay Kleinanzeigen nicht nur tolle gebrauchte Kleidungsstücke, sondern auch super erhaltene Spielsachen oder Zubehör fürs Kinderzimmer. Auch finden regelmäßig Flohmärkte in Leipzig statt, auf denen man tolle Dinge zum kleinen Preis ergattern kann. Ebenso lohnt es sich eine „Nachbarschaftsapp“ zu nutzen. Mit dieser kann man sich mit anderen Familien vernetzten und bekommt tolle Fundstücke direkt um die Ecke. Natürlich kann man seine eigenen Sachen auf den genannten Wegen ein neues Leben schenken oder man stellt einfach eine Mitnehmbox vor die eigene Haustür. Auch der Leipziger Umsonst-Laden, verschiedene „Giveboxen“ oder das schwarze Brett in der Kita können dafür genutzt werden. Möchte man ausschließlich neue Kleidung, Spielsachen und Möbel kaufen, kann man darauf achten, dass diese fair und vegan hergestellt worden sind und kein Plastik oder andere giftige Stoffe enthalten.  

Wir entscheiden uns beim Kauf von Spielzeug eigentlich immer für Holzspielzeug, da dieses robust, langlebig und natürlich ist. Wir haben dies auch im Freundeskreis angesprochen und bekommen so nur wenig aus Plastik geschenkt. Ebenso versuchen wir uns gut zu überlegen, was wir wirklich alles für unseren Sohnemann kaufen müssen. Alltägliche vorhandene Haushaltsgegenstände lassen sich oftmals schnell zum besten Spielzeug umfunktionieren.  

Das Thema Lebensmittel ist mit Kindern sehr bedeutend, da man manchmal wenig Zeit hat, seine Kinder jedoch gut und gesund ernähren möchte. Wir kaufen den Großteil unserer Nahrungsmittel im Einfach Unverpackt Laden, in Bio-Läden sowie auf Wochenmärkten. Auch die „Ökokiste“ ist für viele Familien ein attraktives und gut umsetzbares Angebot, regionale Lebensmittel zu nutzen. Statt Kekse oder Fruchtriegel aus der Drogerie lassen sich meist mit wenig Aufwand kostengünstigere und gesündere Snacks, wie Riegel selber herstellen. Auch ein Stück süßes Trockenobst ist oft die bessere Variante zu Süßigkeiten. Die Snacks kann man dann in einer Dose für unterwegs lange frisch halten. Brote können in Bienenwachstücher sowie Obst und Gemüse in Edelstahlboxen aufbewahrt werden. Wenn wir mal Essen to go haben wollen, nehmen wir dafür ebenso unsere Edelstahlboxen mit zum Befüllen. Immer dabei haben wir auch Stoffbeutel, damit wir keine Plastiktüten verwenden müssen. Fertiggläschen mit Babybrei sind schnell gekauft und oft praktisch. Dennoch kann man mit wenig Zeitaufwand selber Brei mit frischen Zutaten zubereiten und diesen in Schraubgläser portioniert einfrieren. Unser Sohn hat die Breiphase übersprungen, sodass wir ihm seit Beikoststart täglich frisches und meist regionales rohes oder gedünstetes Obst und Gemüse anbieten. Wir freuen uns, dass er dies genauso gerne isst wie wir.

Wie kommen wir als Familie von A nach B? Auch hier versuchen wir unseren Fußabdruck so ökologisch wie möglich zu gestalten. Viele Wege erledigen wir auch mit Kind mit dem Fahrrad oder kurze Wege zu Fuß. Bei schlechtem Wetter oder wenn wir zu spät dran sind, nutzen wir Bahn und Bus. Wir besitzen auch ein Auto, welches wir für längere Fahrten nehmen. Ich finde aber auch die Möglichkeiten, ein „Teilauto“ oder einen der zahlreichen „City-Flitzer“ zu nutzen, ziemlich praktisch.  

Es gibt also einige simple Dinge, die ein Leben mit Kind nachhaltig gestalten lassen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die man verändern muss und an die man sich sehr schnell gewöhnen kann. Wir als Familie sind keineswegs perfekt, versuchen dennoch unser Bestes, um unseren Alltag mit Kleinkind bewusst zu gestalten.


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